An dieser Stelle sollte die grausame Tatsache nicht unerwähnt bleiben, dass mein Vater wegen seiner politischen Überzeugung im dritten Reich mancher Art von Repressalien ausgesetzt war und schließlich am 15.1.1945 im Konzentrationslager Neuengamme den Tod erleiden musste.

Als nun der Krieg vorüber war, gab es einen völligen Neubeginn. Mein Atelier in der Dielingerstraße war mit allen Arbeiten, Entwürfen und Arbeitsgeräten im Krieg zerstört worden. Behelfsmäßig begann ich in einer Baracke mit teils geliehenen, teils durch Tausch erworbenen Werkzeugen und Materialien meine Arbeit, voller Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft. 40 Jahre alt, hatte man noch die Kraft, alle Schwierigkeiten zu überwinden.

Nach einem Jahr des Notbehelfs in der Baracke mit schlechten Lichtverhältnissen und beschränkten Möglichkeiten für größere Arbeiten konnte ich meinen Arbeitsplatz wieder in die Dielingerstraße verlegen. Hier begann nun erst richtig die Arbeit. Zunächst kleinere Aufträge, doch ab 1948, nach der Währungsreform, gab es schon größere Aufgaben. Bald war ich so mit Auftragsarbeiten beschäftigt, dass ich für freie Arbeiten zu den Ausstellungen nur noch wenig Zeit fand. Trotzdem habe ich mich aber an vielen Ausstellungen in den verschiedensten Städten beteiligt und habe auch eigene Ausstellungen gemacht. Auch mit meiner Frau, die als Malerin und Batikerin gute Erfolge verzeichnen konnte, gab es gemeinsame, ergebnisreiche Ausstellungen.

In den vielen Jahren reicher Arbeit an vielen Orten und mit vielen Menschen wurden auch mancherlei Freundschaften und menschliche Beziehungen angeknüpft. Allein während der Arbeit an der Staatsoper Berlin habe ich viele bedeutende Künstler der Oper kennen gelernt und in vielen Rollen erlebt, da in den Jahren des Umbaus der Staatsoper in der Krolloper weiterhin gespielt wurde.

In Berlin lernte ich auch den Bildhauer Prof. Gerhard Marcks kennen, mit dem ich heute noch in brieflicher Verbindung stehe. Auch mit den Berliner Bildhauern Kupsch, Schade und Agricola hatte ich Kontakte.

Durch einen nächtlichen Bombenangriff wurde mein Opernatelier zerstört, so dass ich für längere Zeit ein Atelier in der Staatlichen Porzellanmanufaktur beziehen musste. So arbeitete ich hier in enger Fühlungnahme mit den Porzellangestaltern Prof. Gerhard Gollwitzer, Trude Petri, Else Möckel und dem schon erwähnten alten Freund Siegmund Schütz. Schütz machte viele Jahre später zu meinem 65. Geburtstag eine Porzellan – Plakette von mir, die in der Berliner Manufaktur ausgeführt wurde.

Mit Carl Dietrich Carls, dem Herausgeber der Barlach–Monografie, der auch über meine Arbeiten einige lobende Zeilen geschrieben hat, habe ich ebenso wie mit dem Bildhauer Fritz Klimsch Bekanntschaft gemacht. Fritz Klimsch habe ich 1952 in seinem Schwarzwald-Domizil "Hierahof" besucht, und wir haben einige gemeinsame Wanderungen gemacht.

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